13. September 2007
Seid gegrüßt all ihr Daheimgebliebenen. Und so beginne ich meine heutige Mail mit einem superschönen Zitat, das ich gefunden habe und das, wie ich finde den Nagel, vielleicht auch zur Zeit nur meinen Nagel, auf den Kopf trifft:
“Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinderâ€. Dieses Zitat ist gerade für mich zur Zeit so treffend und ich lasse es jetzt einfach mal unkommentiert (habe gerade versucht es zu kommentieren und es wieder gelöscht, weil es mir plötzlich sinnlos erschien!!)
Ich habe es, zumindest zu einem Teil, geschafft: Ich habe Rafael wieder ins sitio geholt. Gekommen sind wir zu dritt: Rafael, Felipe und ich. Geblieben sind zwei: Rafael und ich. Keiner kann sich vorstellen, wie ich die letzte Woche gekämpft habe. Am Ende war ich nur noch ein laufender Haufen. Meine Beine waren wie Pudding und meine Schulter war wie ein Klumpen Eisen an meinem Körper.
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5. September 2007
Einen wunder- wunderschoenen an alle meine treuen email-Leser da draussen….Hut ab, das ihr mir noch immer folgen koennt (Leute die aus Lesefaulheit eine mail uebersprungen haben werden mit Sicherheit Schwierigkeiten bekommen… ..ha!… Ne? Mutlu und Gunnar!?) Ach und uebrigens: Lesen bildet… .!! Ich werde jetzt mal wieder kraeftig in meiner Schatzkiste der tausend Unglaublichkeiten wuehlen um euch ein paar nette Geschichten zu kredenzen…
Ich habe mich letzte Woche Montag (immer noch mit Eriswaldo im Kopf) auf den Weg nach Horizonte (gesprochen Horisontschie… .kleiner brasilianisch-Kurs… ) gemacht um dort in der Einrichtung Nayela und Adìla zu besuchen. Das war, wie immer in Brasilien, mal wieder eine halbe Weltreise… .ueber ne Stunde mit dem Bus (das ist bei uns wie 20 Minuten zu rechnen). Das dann allerdings durch eine super schoene Landschaft… .Haaach, das ist gerade alles so super herrlich gruen hier… .dann hatte ich den Auftrag mitten in den Wallachoten vor einer Fabrik auszusteigen, von dort aus habe ich dann die Eduacadore der abrigo (Einrichtung) angerufen, die mir dann ein Mototaxi bestellt hat, mit dem ich dann ueber eine Huckelpiste zu meinem Ziel gelangt bin.
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Meine herzallerliebsten Leser. Ich bin wieder da, und hatte heute meinen ersten Arbeitstag…Endlich! Denn laenger haette ich auch nicht mehr gewusst, was ich mit meiner freien Zeit anfangen soll!!
Aber nichts desto trotz, sollt ihr ab jetzt auf meine tollen Brasiliengeschichten nicht verzichten müssen. Davon habe ich nämlich noch so einige in Petto, die ich in den nächsten Wochen mal eben aus dem Hut zaubern werde damit ihr auch alle wisst, wie es damals weiterging.
Ab heute heisst es fuer mich jedoch: Barfuss in Bremen (natürlich nur in geheizten Räumlichkeiten)!
Viel Spass mit der folgenden mail (siehe oben), die Vipika
30. Juli 2007
Vor ein paar Tagen im Bremer Hauptbahnhof: Um 16:29h fährt auf Gleis 10 ein Zug aus Hamburg ein. Ein kleines Grüppchen Menschen um die 30 lässt die Blicke in alle Richtungen schweifen und muss gar nicht lange suchen.

Barfuß, fröhlich und kreischend wie wir sie kennen kommt Wiebke auf uns zugestürmt und knutscht die Runde ungefragt der Reihe nach durch. Etwas müde sieht sie aus. Wen wundert es nach der langen Reise? Wen wundert es nach zehn Monaten Arbeit mit Straßenkindern in Brasilien? Müde aber trotzdem mit einem gewissen Funkeln in den Augen. Ein Funkeln, das vielleicht bedeutet: Viel gesehen, viel erlebt, aber doch ganz froh, wieder zu hause zu sein?
Willkommen zurück, Wiebke! Schön, dass Du wieder da bist!!!
19. Juni 2007
Ich greusse euch, alle meine treuen Leserinnen und Leser. Die Lage hier in meinem kleinen Kampfgebiet spitzt sich zurzeit gerade zu (Oh yeah… .meine Geschichte beginnt wie ein Actionstreifen… .). Morgen ist im sitio, das erste mal ueberhaupt, eine Reunião angesetzt – iniziiert von Bernardo - bei der sich alle Strassenarbeiter vom Lagoa im sitio treffen. Bernardo hatte naemlich letzte Woche einen Termin mit einem Typen vom Ministerium gehabt, der ihm klar gemacht hat, das jetzt tatsaechlich
Leute auf die Kinder angesetzt wurden, die 1 bis 2 der Kinder toeten sollen, damit die Kinder endlich vom Lagoa verschwinden….Natuerlich nicht vom Minesterium engagiert, aber die haben davon Wind bekommen und da Bernardo den Herren gut kennt, hat der ihm gleich bescheid gesagt.
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9. Mai 2007
Ihr lieben da draussen, ich schreib euch Zeilen aus Gold… … ich habe mal wieder einiges auf Tasch, werde aber versuchen, mich am Riemen zu reissen, damit ihr auch in eurer Mittagspause (?) oder was auch immer, Zeit habt, meine mail zu lessen… .Es ist 6.24 in der Frueh, ich sitze in der WG, am Fenster mit dem grossen Loch, und trinke einen Kaffee mit Suessstoff (muss gerade noch meinen Magen schohnen, von Olinda). Mit Zimt. Ein kleines Gefuehl von Zuhause, denn hier beginnt jetzt gerade die kalte Jahreszeit mit unfassbar viel Regen (eigentlich muesste Nordbrasilien laengst ueberschwemmt sein, nach meinen Berechnungen) und zum Teil gemeinen 23 Grad.
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21. April 2007
Letzte Woche hatten die Kinder eine riesige Flasche mit Loesungsmitteln unter der Bank versteckt. Da habe ich mit den Leuten von der Funcie alle Anstalten unternommen, um die Aufmerksamkeit der Kinder von der Flasche abzulenken, damit die Funcie die Flasche mitnehmen kann. Kurze Zeit war es uns auch gelungen, naemlich als ich meine Kamera ausgepackt und Fotos gemacht habe. Aber die Flasche war fuer die Kinder einfach zu Wertvoll und so blieb sie in der Hand der Kinder. Irgendwann zwischendurch hat sich ploetzlich eines der Kinder mitten auf dem Platz ausgezogen und laut rumgeschrien. Der muss so breit gewesen sein, das er gar nichts mehr geschnallt hat. So hatten wir echte Anstrengungen ihn wieder zum Anziehen zu bewegen. Dieses Klebstoffzeug ist echt teuflisch… .
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6. April 2007
Helau und Alaaf ins kalte Deutschland und viele Faschingsgruesse aus dem heissen Brasilien. Karneval ist vorbei und das ist auch gut so, denn die Tage haben ganz schoen an meiner Energie gesaugt. Fangen wir diese mail mal mit den derbsten Sachen an und kommen dann zum “normalen†Teil.
Alles fing damit an, das ich in Receife aus dem Kuehlschrank gestiegen bin, nachdem ich 12 Stunden in diesem fucking Bus sass. Es ist mir ein absolutes Raetsel, wie die Brasilianer das auf die Reihe kriegen, in einem Bus zu sitzen, in dem ca gefuehlte 12 Grad sind. Vor allem, sassen einige Brasilianer dort mit Handschuhen und Socken an. Waere es da nicht vielleicht einfacher, das aircondicionario einfach ein wenig runter zu drehen?…
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17. März 2007
Am Montag abend, vor der Abreise von Christina, sind Christina und ich noch ganz spontan mit Brause und 2 Kuchen zum Terminal gefahren um eine spontane Abschiedsparty zu schmeissen. Das war sehr schoen, wenn es nicht jedesmal ein totales Chaos waere, wenn man
Essen verteilt. Jedesmal heult wieder einer, oder schlaegt sich um das letzte Stueck Kuchen. Bruno war leider auch wieder da und ganz offensichtlich auf Crack, und Christine hat ihm noch ein letztes mal eingeimpft, dass er unbedingt von der Strasse weg muss, …
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10. März 2007
Was soll ich sagen: Mir gehts immer noch super! Das mit der Festa de Hawaii habe ich mir letzte Woche ausgespart, weil ich dachte, das liest dann, nach 6 Seiten Bombardemant mit feinster Strassenkinderliteratur, eh keiner mehr, weil alle mit den Nerven total blank sind und denken, sie wuerden ploetzlich alles Leid der Erde mit sich tragen… .Ich glaube die Geschichten erleben ist eine Sache, sie lesen eine andere… fuer mich gehoert das alles mitlerweile fast schon zur Realitaet und waehrend ich mich darauf freue, endlich wieder zum Terminal zu fahren und meine Kinder von der Strasse zu besuchen, wuerden andere wahrscheinlich einen innerlichen Nervenzusammenbruch bekommen, wenn sie nur dort umsteigen muessten.
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